Mein Erlebnis in Deutschland
von Tony Greif
Gewinner des AATG/PAD Study Trip Awards 2006
Schüler von Lois Sabino an der Waubonsie Valley High School)
(Junior; Stufe III)
Diesen Sommer wurde mir die tolle Gelegenheit gegeben, einen Monat in Deutschland voll kostenlos zu wohnen. Ich wohnte in der Stadt Kulmbach (die liegt im Norden in Bayern) mit einer Gastfamilie. Der Name meiner Familie war Popp, und die bestand aus zwei Eltern, Harry und Irmgard, einem vierzig-jährigen Mädchen Beate, und natürlich meinem siebzehn-jährigen Gastbruder Maximilian. Ich muss aber zugeben, dass ich ein bisschen Angst davor hatte, dass mich mein Gastbruder und meine Gastfamilie nicht mögen würden. Ich meine, dass die meisten Austauschschüler sich so auch fühlten. Aber ich muss dazu sagen, dass ich doch eine tolle Gastfamilie hatte, und dass ich auch den besten Gastbruder in Deutschland--nein, der Welt--hatte.
Wie gesagt, mein Gastbruder in Deutschland heißt Maximilian Popp, und der war (wie ich) in der elften Klasse in der Schule als ich bei ihm wohnte. Ich freute mich sehr, denn ich fand schnell heraus, dass wir uns für viele von denselben Sachen interessieren. Ich höre seine Musik sehr gern, und er hatte viele Filme (auf Deutsch, natürlich), die wir zusammen anschauten, und die mir prima gefielen. Ich fand es interessant, diese bekannten Filme in einer zweiten Sprache anzuschauen. Er hört eigentlich deutsche und amerikanische Musik, und als ich wegging schenkte er mir viele deutsche Alben von den Prinzen und den Wise Guys. Ich höre diese Alben jetzt in Amerika ungeheuer gern, weil die mich immer an meine Reise nach Deutschland erinnern. Wir interessieren uns auch sehr viel für Fußball und die Weltmeisterschaft, und wir gingen sehr oft auf den Marktplatz (wo es eine große Leinwand gab), um die Weltmeisterschaft-Fußballspiele anzusehen. Wir zogen uns ganz verrückte deutsche Kleider an, machten Tätowierungen an, und malten auf unsere Gesichter . Natürlich machte uns das sehr viel Spaß.
Maximilian stellte mir seine Freunde auch vor, und (oder so denke ich) wir hatten einander gerne. Ich erwartete es nicht, aber ich lernte sehr viel Deutsch von ihnen, denn sie sprachen mit vielen Ausdrücken und mit viel Dialekt. Es gefiel mir, mit ihnen auszugehen, weil mein Deutsch immer dabei besser wurde. Ich hatte auch Angst davor, dass ich bei ihnen nur ein abgesonderter Amerikaner wäre. Aber das war überhaupt nicht der Fall. Vom Anfang der Reise bis zum Ende waren sie immer nett und freundlich zu mir , und akzeptierten mich sofort. Ich dachte nie, dass total fremde Leute mich so viel und so schnell begrüßen würden. Natürlich freute ich mich sehr darüber. Ich sah sie viel, denn wir hatten alle zusammen in der Schule Unterricht. Der Max und ich machten oft auch was mit ihnen am Abend, besonders am Wochenende. Deswegen wurden wir alle ziemlich gute Freunde in einer sehr kurzen Zeit, und das erwartete ich auch überhaupt nicht. Es war einfach total Wahnsinn.
Als Teil meiner deutschen Reise musste ich ja fast jeden Tag in der Woche an einem deutschen Gymnasium Unterricht haben ( als ich in Kulmbach war). Ich dachte, dass die Schule in Deutschland ganz anders als meine Schule in den U.S.A. wäre, aber die war eigentlich viel ähnlicher als wie ich erwartete. Die Klassenstunden dauerten genau so lang wie an meiner Schule (45 Minuten), und ich hatte Unterricht in vielen von denselben Fächern, in denen ich Unterricht in den U.S.A. habe. Ein Unterschied war aber dass es kürzere Pausen gab, anstatt eine ganze Klassenstunde zu Mittagessen. Ich fand es auch ein bisschen komisch, dass dieselben Schüler immer zusammen in fast jedem Fach Unterricht hatten. Das war ja ganz anders als an meiner Schule. Aber es gefiel mir, denn ich konnte die Freunde meines Gastbruders viel besser kennen lernen. Ich habe lieber auch das deutsche System mit den Pausen, weil ich deswegen mit der ganzen Familie Mittagessen aß, und das geschieht fast nie bei mir in Amerika.
Die Fußball-Weltmeisterschaft war freilich auch (wie schon gesagt) in Deutschland während meines Aufenthalts. Ich wusste vorher, dass die Weltmeisterschaft verrückt und aufregend werden würde , aber ich weiß jetzt, dass ich eigentlich keine Ahnung hatte, wie verrückt und aufregend. Es gab sehr viel Nationalismus und Patriotismus (zwischen denen es einen bestimmten Unterschied gibt, lernte ich) wegen der Spiele. Ich weiß, dass man ein bisschen vorsichtig dabei sein muss, denn manche Leute könnten dies mit der nationalsozialistische Bewegung vergleichen , aber es überraschte mich, dass es die trotzdem gab. Natürlich fand ich sehr schnell heraus, dass Fußball ein sehr großer Teil der deutschen Kultur ist. Und obwohl ich nicht aus Deutschland komme, war es sehr leicht, mit der Weltmeisterschaft mitzumachen. Es gab ja ungeheuer viel Spaß dabei--ich hatte nie vorher das deutsche Fußball-Fieber erfahren.
Ich muss auch was von der Sprache in Kulmbach erzählen (ich habe fast vergessen!). Das Deutsch in Kulmbach is überhaupt nicht Hochdeutsch. Ich hörte nur Hochdeutsch im Fernseher und im Radio--nie hörte ich es bei den Einwohner. Kulmbach liegt in Oberfranken, und es gibt in Oberfranken einen sehr starken Dialekt (der natürlich Oberfränkisch heißt). Als ich in Deutschland zum ersten mal mit meiner Gastfamilie aß, konnte ich fast nichts verstehen. Ich hatte danach viel Angst davor, dass ich nie irgendjemanden verstehen können würde. Aber es ging nicht so. Rechtzeitig lernte ich, den Dialekt zu verstehen, und nach einer kurzen Zeit konnte ich mit den meisten Leuten reden. Ich freute mich sehr darüber, dass mir dieser starke Dialekt nicht so schwer fiel . (Ich muss aber zugeben , dass es mir jetzt ein bisschen schwer fällt , auf Hochdeutsch zu schreiben, denn ich schreibe immer mit meinen deutschen Freunden auf Oberfränkisch.)
Die fünfundzwanzig Tage, die ich in Kulmbach, Deutschland verbrachte, waren ohne Zweifel die besten Tage meines Lebens. Und nicht zuletzt möchte ich mich sehr bei dem AATG für diese ganz tolle Reise bedanken.